Bewerbung beim Landespreis



Titel der Einreichung
H2-Klimaschutznetzwerk: Digitale Klimaschutzplanung

Kategorie
Umwelt, Planung & Infrastruktur

Name der Kommune/des Verbandes
Regionalverband Ruhr

Fachbereich/Abteilung
Referat Klima und Umweltschutz

Ansprechpartner
Simone Schubert

E-Mail-Adresse
schubert@rvr.ruhr

Telefonnummer
0201.20696388

Kurzbeschreibung
Im Rahmen der Kooperation “H2-Klimaschutznetzwerk” konnte eine digitale Plattform für die interkommunale Zusammenarbeit im Klimaschutz etabliert werden. Die Kooperation von 53 Kommunen ermöglicht eine wesentliche Weiterentwicklung und Dynamisierung des kommunalen Klimaschutzes im Ruhrgebiet. Das Netzwerk wurde mit dem Ziel gegründet Wasserstoff als alternativen Energieträger in den kommunalen Klimaschutz zu integrieren und den Prozess mit einem CO2-Monitoring zu begleiten. Auf dieser Basis wurde eine digitale Klimaschutzplanung entwickelt, die ausgehend vom ursprünglichen H2-Thema nun alle Bausteine des Klimaschutzes der 53 Ruhrgebietskommunen digital in einer einzigen Plattform bündelt. Die Plattform bildet die Energie- und Treibhausgasbilanz, Szenarien zum Erreichen einer treibhausgasneutralen Stadtgesellschaft und Klimaschutzmaßnahmen der Kommunen ab. Weiter wird durch die Plattform ein digitales Monitoring der kommunalen Klimaschutzaktivitäten ermöglicht. Zudem kann jede Kommune ihre dort gesammelten Klimaschutzdaten in dem Dashboard der Plattform für die interne und externe Kommunikation veröffentlichen. Die Plattform schafft Standards und ermöglicht eine einheitliche digitale Planungs- und Monitoringstruktur für alle 53 Kommunen und bietet hierdurch einen vielfältigen interkommunalen Wissenstransfer. An der Kooperation beteiligen sich alle dreiundfünfzig Kommunen des Ruhrgebiets. Der Regionalverband Ruhr (RVR) ist für die Steuerung und Organisation des Projekts zuständig. Außerdem bietet er den Kommunen zahlreiche Unterstützungsleistungen zur Digitalisierung der kommunalen Klimaschutzplanung an, wie • Schulungen und Onboarding-Verfahren zur Plattform • RVR als Ansprechpartner und 1:1 Betreuung bei Fragen oder Anregungen seitens der Kommunen • Beratung der Kommunen durch externe Unternehmen für die Einpflegung der kommunalen Klimaschutzdaten und Texte • Interkommunaler Austausch der Klimaschutzmanager*innen • Erstellung von kommunenscharfen Analysen (Instrumente für die kommunale Klimaschutzarbeit, IFEU-Institut) • Netzwerkveranstaltungen (online- und offline) zu aktuellen Themen, z. B. die Integration der Wärmeplanung in die Plattform • Workshopformate zur Szenarienentwicklungen oder zur Organisation und Planung von digitalen Arbeitsprozessen innerhalb der Verwaltung etc. Neben den Unterstützungsleistungen für die kommunale Ebene ist der RVR im Weiteren daran interessiert, die Daten aller Kommunen regional zu aggregieren, um ein Klimaschutzszenario der Region zu erstellen. Damit wird eine wichtige Grundlage bei der Gestaltung der kommenden 20 Jahre geschaffen. Um dies zu realisieren wird die Plattform aktuell angepasst und weiterentwickelt. Das H2-Klimaschutznetzwerk wurde im Zeitraum von September 2022 bis November 2025 im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative gefördert. Mit Abschluss der Förderung konnte ein wichtiger Meilenstein erreicht werden: die aktuellen Klimaschutzdaten aller 53 Kommunen wurden in die Plattform eingepflegt. Trotz Auslaufen der Förderung besteht das H2-Klimaschutznetzwerks und die Digitale Klimaschutzplanung fort. Für die Fortschreibungen und Veröffentlichungen erhalten die Kommunen vom RVR weiterhin Unterstützung. Darüber hinaus arbeitet der RVR mit dem Hersteller der Plattform intensiv an der Weiterentwicklung der Plattform, so dass weitere Features eingebunden werden (z. B. einen regionalen Maßnahmenpool) und eine Aggregation der kommunalen Daten zur Erhebung eines regionalen Szenarios bis Ende 2026 möglich sein soll. Aktuell finanziert der RVR die Fortführung und Weiterentwicklung der digitalen Klimaschutzplanung. Die Finanzierung des Projekts ist bis August 2029 gesichert.

Ziel
Die Transformation einer Industrieregion wie dem Ruhrgebiet erfordert ein gemeinsames und planvolles Handeln, um die Treibhausgasemissionen im Einklang mit der wirtschaftlichen Prosperität nachhaltig zu senken. Damit eines der aktuell größten gesellschaftlichen Herausforderungen gemeinsam gestaltet werden kann, sind es übergeordnete Ziele, wie maximale Transparenz, der Dialog mit den Stadtgesellschaften, die Handlungsflexibilität des einzelnen Akteurs bei gleichzeitigem regionalem Schulterschluss, um die Transformation der Region voranzubringen und das Thema in den Fokus zu rücken. Die interkommunale Zusammenarbeit der Ruhrgebietskommunen verfolgt daher Ziele auf unterschiedlichen Zielebenen. Auf kommunaler Ebene ist es das Ziel der digitalen Klimaschutzplanung im Ruhrgebiet eine digitale Plattform zur Verfügung zu stellen, in dem alle kommunalen Klimaschutzdaten aus diversen Konzepten, wie etwa dem Klimaschutzkonzept, dem Mobilitätskonzept, dem Nachhaltigkeitskonzept etc. aller Kommunen in einem einheitlichen, digitalen Standard gebündelt werden, um • die Überarbeitung von Daten zu erleichtern, • ein Monitoring der Daten zu ermöglichen und zu etablieren, • die Sprachfähigkeit des Fachreferats gegenüber Kollegen*innen, Vorgesetzten, Bürger*innen und den Politiker*innen zu den Klimaschutzdaten herzustellen, • eine allgemeine Transparenz in der Arbeit als Klimaschutzmanager*in zu schaffen, • die Aktivitäten der Kommune im Klimaschutz per Dashboard für eine (Teil)-Öffentlichkeit darzustellen, • den Dialog der Stadtgesellschaft in Bezug auf die kommunalen Klimaschutzaktivitäten zu fördern. • den Aufbau eines Netzwerkes der Kommunen zu ermöglichen. Im regionalen Kontext verfolgt man mit der Webanwendung das Ziel, einen einheitlichen Datenstandard im Ruhrgebiet bei der kommunalen Klimaschutzplanung zu generieren. Dies soll sowohl eine Vergleichbarkeit der Kommunen untereinander als auch die Aggregation der kommunalen Daten zur Erstellung eines regionalen Szenarios zu ermöglichen.

Anlass
Am 04. November 2021 unterzeichnete der Kommunalrat, ein Gremium aus den Oberbürgermeistern und Landräten der Region, das Memorandum of Understanding. Darin wurde festgelegt, dass das Ruhrgebiet sich an den Pariser Klimazielen und dem Bundes-Klimaschutzgesetz orientiert und bis 2045 treibhausgasneutral wird. Als Region mit industrieller Vergangenheit und Gegenwart sind die Klimaziele ambitioniert: denn nach der aktuellen Energie- und Treibhausbilanz erstellt nach dem BISKO-Standard wurden im Ruhrgebiet im Jahr 2022 rund 82 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente freigesetzt – 21 Prozent weniger als im Jahr 2012. Der Rückgang der THG-Emissionen ist größtenteils auf den bundesweiten Ausbau der erneuerbaren Energien und auf externe Effekte, wie beispielsweise der Corona-Pandemie (insb. in 2020) und die Energiekrise mit Gasmangellage als Folge des Ukraine-Krieges (in 2022) zurückzuführen. Fakt ist: Nach wie vor liegen die Treibhausgas-Emissionen pro Kopf mit 15,9 Tonnen CO2-Äquivalenten im Jahr 2022 noch deutlich über den Vergleichswerten des Landes NRW und Bund. Von einer merklichen Trendwende kann daher bislang nicht gesprochen werden. Um das Klimaneutralitätsziel 2045 zu erreichen und das Memorandum of Understanding einzuhalten, war eine zielgerichtete kommunale Klimaschutzplanung und Umsetzung unerlässlich. Um die Grundlagen hierfür zu schaffen, musste eine Planungsinstrument etabliert werden, dass es ermöglichte • quantitative Ziele für jedes Jahr, statt häufig qualitativer Ziele wie in bisherigen Konzepten zu entwickeln, • ein Monitoring, was die Ist- mit den planerischen Sollwerten auf kommunaler und regionaler Ebene vergleicht, zu etablieren, • veraltete Klimaschutzkonzepte unkompliziert zu ändern, • die Effizienz der Klimaschutzplanung zu steigern, um die Kollegen*innen, die oftmals nur mit einer Stelle die Klimaschutzaktivitäten der Kommunen zu betreuen, nicht zu überlasten. • eine Zusammenarbeit und einen Austausch der Kommunen zu ermöglichen, um Standards und Synergieeffekte zu generieren. Mit der Einführung der Plattform im Dezember 2023 ist die Grundlagen für eine konsistente Planung und eine zielgerichtete Zusammenarbeit geschaffen worden.

Kurzprofil
Die Kooperation H2-Klimaschutznetzwerk wurde von den 53 Kommunen des Ruhrgebiets und dem RVR am 28.03.2023 auf unbestimmte Zeit unterzeichnet. Der Kick-Off zur digitalen Klimaschutz mit den Kommunen erfolgte im Dezember 2023 und das Roll-Out der Plattform Anfang Januar 2024. Der RVR übernimmt in der Kooperation die Rolle des Projektträgers und -managers. Er ist Netzwerker, Koordinator, Impulsgeber, Dienstleister und erfüllt damit auch im Rahmen der Kooperation den gesetzlichen Auftrag, sich um das Wohl der Region zu kümmern. Der Verband mit Sitz in Essen (Nordrhein-Westfalen) ist der Zusammenschluss der 11 kreisfreien Städte und vier Kreise des Ruhrgebiets. Rund 5,1 Millionen Einwohner leben hier in 53 Kommunen. Der Verband ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts mit dem Recht auf Selbstverwaltung durch seine Organe.

Gewinn der Kooperation
Die seit 2023 laufende interkommunale Zusammenarbeit in der digitalen Klimaschutzplanung zeigt auf unterschiedlichen Ebenen den Mehrwert der Kooperation. Klimaschutz erfordert kommunale Zusammenarbeit und vereint kommunale Akteure hinter dem gemeinsamen Ziel des Erhaltst unserer Lebensgrundlagen durch das Erreichen der Treibhausgasneutralität. Durch die Zusammenarbeit in der Region rückt das Thema Klimaneutralität verstärkt in den Fokus. Kommunen sind dank der Präsenz des Projekts motivierter, an dem herausfordernden Thema zu arbeiten. Aufgrund des einheitlichen Standards der Plattform gehen die Kommunen in den Dialog und unterstützen sich gegenseitig. Vorreiterkommunen im Projekt dienen als Vorbilder und bieten konkrete Anwendungsbeispiele, wie die digitale Klimaschutzplanung innerhalb der eigenen Kommune etabliert und nach außen kommuniziert werden kann. Die Erkenntnisse der Vorreiterkommunen fließen in die strategische Planung des Projekts ein und kommen auch durch Austausch allen Kommunen zugute. Mit der Entwicklung der Plattform wird auch die Zusammenarbeit unter den Kommunen weiter intensiviert. So wird es z. B. mit dem künftig in der Anwendung integrierten Maßnahmenpool möglich sein, dass Maßnahmen als Ideengeber und Vorlage für andere Kommunen in die Plattform eingespielt werden können. Auch innerhalb der kommunalen Verwaltungen zeigen sich Änderungen in den Arbeitsprozessen. Die Digitalisierung der Klimaschutzplanung ermöglicht, ja sie erfordert sogar eine fachübergreifende Zusammenarbeit. Daher werden themennahe Facheinheiten, wie z. B. die Verkehrsplanung, die Stadtplanung, die kommunale Nachhaltigkeitsplanung, die Wirtschaftsbetriebe etc. mit Lizenzen zur Plattform ausgestattet und in die Arbeitsprozesse der Klimaschutzplanung integriert. So wird auch der interne Austausch, das gemeinsame Verständnis und die Zusammenarbeit gestärkt. Die regelmäßigen Angebote des RVR in Form von Schulungen, Workshops und Beratungen intensivieren zusätzlich den Dialog der Kommunen untereinander und helfen gleichzeitig, die Beziehungen vom RVR zu jeder einzelnen Kommune zu intensivieren. Denn: die Arbeitsthemen der Kommunen im kommunalen Klimaschutz können schneller erfasst und ein passgenaues Unterstützungsangebot an die Kommunen formuliert werden. Ziel ist es, die kommunalen Mitarbeiter*innen bestmöglich zu entlastet, so dass die Aufgaben im Bereich der digitalen Klimaschutzplanung zeitnah erledigt werden können. Auch außerhalb der Region ist die Kooperation aufgrund des innovativen Projektsettings der digitalen Klimaschutzplanung auf großes Interesse gestoßen. Immer wieder werden regional und bundesweit Anfragen an das Projektteam gerichtet, um die kooperative Zusammenarbeit in der digitalen Klimaschutzplanung vorzustellen. So wurde die digitale Klimaschutzplanung beispielsweise auf der Heat-Expo in Dortmund, dem Forum klimaneutral.ruhr in Essen, der Deutschen Klimamanagement-Tagung in Hamburg, dem Workshop des Arbeitskreises Landschaftsforschung oder auf der Kommunale Klimakonferenz in Berlin präsentiert.

Grad der Innovation
Klimaschutz hört nicht an kommunalen Grenzen auf. Für die gemeinsame Arbeit der Kommunen am Ziel der Klimaneutralität bildet eine digitale Plattform die entscheidende Grundlage für eine interkommunale Zusammenarbeit. Als die Kooperation Ende 2023 die Arbeit zur digitalen Klimaschutzplanung aufnahm, arbeiteten in Deutschland nur vereinzelte Kommunen mit einer digitalen Lösung, wie z. B. die Stadt Mannheim. Im Ruhrgebiet war es die Stadt Dortmund. Als einzige von insgesamt 53 Kommunen hatte sie bereits die Klimaschutzplanung digitalisiert. Nach heutigem Stand sind in Deutschland zwar viele weitere einzelne Kommunen mit unterschiedlichen Webanwendungen in die digitale Klimaschutzplanung eingestiegen. Eine vergleichbar strukturiert Zusammenarbeit und ein interkommunaler Austausch wie im Ruhrgebiet ist aus keiner anderen Region bekannt. Einzigartig sind insbesondere: • die enge Kooperation regelmäßige Vernetzung mit 53 Kommunen zum Thema, • die übergeordnete Projektsteuerung, die Projektweiterentwicklung und das Projektmanagement für alle 53 Kommunen durch den RVR; • die Nutzung einer einheitlichen Weblösung mit Admin-Funktion für den RVR (Der RVR kann alle kommunalen Boards einsehen, um direkte Hilfestellung zu leisten.), • die umfassenden Unterstützungsleistungen zur digitalen Klimaschutzplanung in Form von Schulungen, Workshops und Beratungen für die Kommunen durch den RVR und externe Berater*innen, • die Einführung eines umfassenden Monitorings zur CO2-Reduktion sowie zur Szenarien- und Maßnahmenplanung auf kommunaler und insbesondere auf regionaler Ebene durch die Aggregation der kommunalen Klimaschutzdaten. Aufgrund der aufgeführten Alleinstellungsmerkmale weist die Kooperation zur digitalen Klimaschutzplanung eine hohe Innovationskraft auf.

Zukunftsfähigkeit/ Nachhaltigkeit
Die Kooperation wurde ohne ein konkretes Enddatum eingerichtet. Orientierend an den inhaltlichen Zielen ist es das Bestreben, die Kooperation bis zur Treibhausgasneutralität des Ruhrgebiets im Jahr 2045 aufrecht zu erhalten. Aufgrund der Bespielung des Netzwerks mit einem breiten Unterstützungsangebot durch den RVR und dem weiteren Ausbau der Plattform bleibt das Thema aktuell, lebendig und ermöglicht auch neuen Mitarbeitenden in den Kommunen eine kontinuierliche Weiterentwicklung des kommunalen Klimaschutzes. Die gemeinsame Nutzung einer digitalen Plattform ermöglicht erstmals eine fortlaufende Dynamisierung der zu treffenden Maßnahmen entsprechend den aktualisierten Erfordernissen zur Zielerreichung. Es existiert ein hohes Engagement der 53 Kommunen, wie man aus den Teilnahmezahlen von Schulung, Beratungen und Veranstaltungen, den bilateralen Gesprächen und der Fortschreibung der kommunalen Klimaschutzplänen in digitaler Form ableiten kann. Damit hat sich die Kooperation des H2-Klimaschutznetzwerks zur digitalen Klimaschutzplanung mit den 53 Kommunen und dem RVR als ein tragfähiges Netzwerk etabliert. Allerdings steht und fällt das Netzwerk mit der Nutzungsmöglichkeit der Plattform. Die Finanzierung der Lizenzen für die Webanwendung der 53 Kommunen und des RVR sind im Rahmen des laufenden Vertrags bis August 2029 gesichert. Da das Thema zu diesem Zeitpunkt nichts von seiner Dringlichkeit verloren haben wird, werden gerade weiterführende Finanzierungsmöglichkeiten für die Webanwendung geprüft.

Dokumente
https://landespreis.interkommunales.nrw/wp-content/uploads/2026/02/Netzwerkvertrag-H2-Klimaschutznetzwerk-unterschrieben.pdf

Bestätigung
1

Eingegangen am
06.02.2026 00:00

Eingereicht am
06.02.2026 07:48